Sonntag, 5. Februar 2012

Und noch ein SampleSunday Häppchen

Aus meinem neuen Fantasyroman Pegasuscitar- auf magischen Schwingen ein kleine Lesehäppchen:
„Sei gegrüßt, junger Citar. Komm zu mir“, forderte er und griff nach dem Krug auf dem Tisch um auch Feyk einen Becher Wasser einzuschenken. Brot lag auf dem Tisch und eine Schüssel, die wohl Suppe enthalten hatte. Offenbar kümmerte man sich ein wenig mehr um das Wohlergehen des Gefangenen als zuvor.
Zögernd näherte sich Feyk, sein furchtsames Herz, welches ihm weit oben im Hals schlug, immer wieder hinabschluckend.
Thyons Gesicht zeigte im hellen Tageslicht nur zu deutlich die Spuren der Folter und Entbehrungen. Schatten lagen unter den eisblauen Augen, dunkle Male und Blutergüsse zeugten von den Misshandlungen. Die hellblonden Haare waren jedoch gewaschen und fielen ihm locker über die Schultern. Er trug einfache Kleidung, hatte allerdings keine Schuhe an und Feyk erkannte Bandagen über dem verletzten Fleisch. Der Nordmann folgte seinem Blick, sagte jedoch nichts.
Er muss ziemliche Schmerzen haben, dachte Feyk, nur lässt er sich diese nicht anmerken. Oder er spürt sie nicht. Immerhin ist er kein Mensch. Ob seine Wunden je heilen werden, wenn man ihn weiterhin von seiner Magie fernhält?
„Nein, ich werde nicht heilen“, antwortete Thyon, lächelte nachsichtig, als ihn Feyk betroffen ansah. „Und nein, ich kann deine Gedanken nicht lesen. Doch auch wenn uns beide weniger verbinden würde, habe ich die Menschen lange genug studiert, um in deinem Gesicht zu erkennen, was in dir vor sich geht, Feyk.“
Sofort senkte dieser den Blick und griff nach dem Becher. Wie sollte er nur mit diesem Mann umgehen?
„Du musst mich nicht fürchten“, erklärte Thyon abermals. „Ich wollte und will dir nicht schaden.“ Er seufzte und musterte Feyk durchdringend, der unruhig hin und her rutschte.
„Du hast nicht die allergeringste Ahnung, was es für Folgen es für uns beide hat, dass ich dir Aklain gab, nicht wahr?“ Ein weiteres Seufzen entkam ihm und er antwortete sich selbst: „Nein, woher solltest du auch.“
„Du hast mich willenlos gemacht“, schnaubte Feyk ärgerlich. „Du wolltest, dass ich ein gefügiger Sklave in den Diensten deines Herrschers Bohrun werde!“ Der Akylongin nickte.
„Du hättest ihm keinen Widerstand geleistet“, bestätigte er. „Es wäre leichter gewesen, Bohruns Pegasus zu erwecken und sich deiner Dienste zu versichern, wenn du Aklain bekommst. Ich hätte dich damit allerdings auch davor bewahrt, durch Strafen oder Folter gebrochen zu werden.“
Hart setzte Feyk den Becher auf den Tisch und funkelte Thyon an.
„Ich wäre zu einem solch verkrüppelten Wesen geworden, wie es dein Pegasus war!“, warf er ihm vor. Die hellblauen Augen verrieten keine Regung.
„Aklain ist keine normale Droge“, erklärte Thyon. „Wenn ein Mensch sie verwendet, würde sie dich lediglich betäuben, dir den Willen zum Widerstand nehmen und in hoher Dosierung und dauerhafter Anwendung unweigerlich zum Tode führen. Wenn hingegen ein Akylongin sie verwendet, webt er einen Teil seiner Magie in die Wirkung.“ Feyk schwieg betroffen.
„Meine Eismagie ist euch Menschen dermaßen fremd, wie wir Akylongin selbst es sind. Wir empfinden anders als ihr Menschen, unsere Gefühle sind nicht so intensiv wie die euren“, fuhr Thyon erklärend fort und beugte sich ein wenig vor. „Erst Aklain ermöglichte es uns, eure Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen, was und wie ihr Menschen fühlt.

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