Montag, 23. Juli 2012

Rezension Sträflingskarneval



Sträflingskarneval
Annette Eickert
Mystic Fantasy
ebook und Print erschienen im AVAA-Verlag
ISBN-Nr. 978-3-8459-0244-9




Meine Meinung:
Das Cover finde ich sehr ansprechend, besonders die Farbgestaltung, die Dynamik und die gefesselten Hände, die zum Titel passen.
Worüber man zwangsläufig bei diesem Fantasyroman natürlich stolpert, ist eben der Titel, dessen Bedeutung eine andere ist, als es das Wort Karneval in der heutigen Zeit impliziert. Nicht fröhlich ausgelassenes Treiben, sondern Folterung eines Sträflings.
Genau um diese geht es auch im ersten Teil des Buches, dennoch wirkt der Titel ein wenig irreführend, denn dieser Roman hat sehr viel mehr zu bieten.
Die alten Gesetze des Druida Lovo, eines geheimen Ordens, dem der Protagonist Ryan angehört, werden wiederbelebt, um die Beteiligten eines Verrats zu bestrafen. Zu diesen gehört auch Ryans ehemaliger, verhasster Mitschüler Aiden, dessen Beteilung an dem Überfall bereits in der Gerichtsverhandlung Fragen nach dessen tatsächlicher Schuld aufwirft. In dieser Verhandlung wird sowohl Ryan als auch seiner Freundin Kimberley rasch klar, dass das Oberhaupt des Ordens andere Ziele verfolgt und mit der Wiederherstellung des alten Gesetzes, Willkür Tür und Tor geöffnet werden.
Die grausamen Auswirkungen erleben sie, als Aiden und andere Sträflinge zur Strafarbeit auf der Internatsinsel eingesetzt werden und sie erfahren, dass der Aufseher Smith sich an Aiden vergeht. Spätestens ab diesem Moment verändern sich Ryans Gefühle dem anderen Jungen gegenüber und er versucht ihm zu helfen. Dabei kommen sie sich näher und es entwickelt sich eine Beziehung zwischen ihnen.
Stück für Stück offenbart sich den Freunden Kimberley, Ryan, Aiden und Gillean, Kimberleys Freund, ein Geheimnis, hinter das auch das Oberhaupt des Ordens Hinthorne kommen möchte. Dabei geht es um einen immens wichtigen Schatz, für den sowohl Hinthorne als auch sein Helfer Smith bereit sind, über Leichen zu gehen.

Der Einstieg in die etwas komplizierten Zusammenhänge erfolgt über die Gerichtsverhandlung, bei der die Ereignisse, des Überfalls und Verrats aufgedeckt werden. Was der Orden selbst ist und was ihn zu einem derartige Geheimbund macht bleibt dabei schwammig und wird auch erst ganz am Ende des Buches klar. Daher fällt es teilweise schwer zu verstehen, warum die Jugendlichen, in unserer Zeit und mit unseren Moralvorstellungen lebend, sich gegen die Ausführung des mittelalterlichen Strafmaßes nicht zur Wehr setzen und selbst als es offensichtlich zu unnötigen Grausamkeiten kommt, keine Hilfe von außerhalb der Insel des Ordens holen. Zwar wird später öfter angedacht, die Polizei zu holen, es kommt jedoch nie dazu. Mir fehlte hierfür ein wenig das Verständnis und Civilcourage, die der Charakter Ryan jedoch durchaus hat, als er sich persönlich für Aiden einsetzt.
Die beginnende Beziehung der beiden ist sehr einfühlsam und glaubwürdig. Aidens Trauma durch den Missbrauch wird nur angedeutet. Sehr schön ist die Freundschaft der vier Jugendlichen beschrieben, die sich bemühen, Aiden zu helfen und hinter die Beweggründe Hinthornes zu kommen.
Dieser ist der Drahtzieher hinter den Grausamkeiten und Intrigen, die er durch Peter Smith ausführen lässt. Dieser Charakter des Smith kommt mir hingegen zu schablonenhaft herüber: Er ist nicht nur im Aussehen unsympathisch, sondern jede seiner Handlungen von sinnloser Gewalt geprägt. Er könnte gut und gerne ein Schild: „Ich bin der Böse“ tragen, das erscheint mir persönlich zu eindimensional, macht es aber natürlich leicht, ihn zu hassen.
Die Vielzahl an Figuren erschwert es zunächst, dem eigentlichen roten Faden zu folgen, der zu einer sehr spannenden, höchst komplexen Handlung gehört. Sehr positiv sind mir die Ortsbeschreibungen aufgefallen und die Verbindungen, die zwischen dem Druida Lovo und anderen historischen, wie mystischen Ereignissen und Organisationen gezogen wird.
Viele Erklärungen erfolgen in langen Dialogen, was mich persönlich teilweise gestört hat. Ich hätte sie mir mit mehr Handlung verflochten gewünscht.
Schwierig ist zudem dabei der häufige Perspektivenwechsel. Folgt man am Anfang noch Ryan, so springt die Perspektive zwischendurch zu Aiden und auch zu Kimberley. Später dann noch zu vielen weiteren Charakteren, sogar zu Hinthorne, der damit seine Geheimnisse dem Leser höchst persönlich offenbart. Das empfinde ich als etwas ungeschickt. Hier hätte der Wechsel zwischen Ryan und Aiden vollauf genügt.
Besonders schwierig ist dieser Wechsel in der überaus spannenden und aktiongeladenen Schlusssequenz, wo die Perspektive innerhalb weniger Sätze von Hinthorne zu Gilliean und dann wieder Raoul, zu Aiden, zurück zu Gilliean, zu Aiden und zu Smith springt. Und ja: Ryan fehlt da völlig. Dessen Perspektive verschwindet gegen Ende immer mehr und sogar im Prolog kommen nicht er und Aiden, sondern Gillean und Kimberley vor.
Das hinterlässt bei mir ein unbefriedigendes Gefühl, denn für mich waren Ryan und Aiden die Hauptfiguren, gerne hätte ich noch etwas von ihnen erfahren.
Ich konnte beim Lesen meinen eigenen Überarbeitungsmodus nicht ganz ausschalten und so fielen mir viele Wortwiederholungen, gelegentliche Chatsprache und unnötige Füllwörter neben einigen Rechtschreibfehlern auf.
Dies tat der an sich spannenden und erzählenswerten Story keinen Abbruch, hemmte nur den Lesefluss.
Ein sehr großer Pluspunkt ist die Liebesgeschichte zwischen Ryan und Aiden, die völlig selbstverständlich integriert ist und die ich gerade dadurch als besonders gelungen empfinde. Es gibt zwar ein kurzes Problem mit dem Coming Out, bei dem Aidens Vater überraschend schnell einsichtig ist und auch Ryans Gefühle sind erstaunlich frei von Zweifeln, die man durchaus erwarten würde, wenn ein Jugendlicher erkennt, dass er sich in einen anderen Jungen verliebt. Alles in allem jedoch dominiert diese Liebe die Story nicht, sondern gehört einfach selbstverständlich dazu und genau das finde ich bemerkenswert gelungen.

Fazit:
Eine lesenswerte Fantasystory, die zwar erst gegen Ende mystischer wird, deren Charaktere jedoch interessant, der Handlungsverlauf gut angelegt und deren Grundidee sehr faszinierend ist. Die Ausführung und Szenenauswahl hätte ich mir ein wenig gelungener gewünscht, dennoch eine spannende Lektüre mit einer wunderbar selbstverständlichen Liebe zwischen zwei Jungs.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für deine Rezension zu meinen "Sträflingskarneval" !

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