Dienstag, 25. September 2012

Outtake Pegasuscitar II

Diese Szene hat es leider nicht ins Buch geschafft. Der Handlungsstrang um Vigar und Thyon war zwar superspannend, wäre aber zu umfangreich geworden. Aber evt habt ihr dennoch Spaß daran:


Vigar verschränkte die Arme vor der Brust und schüttelte entschlossen den Kopf.
Ich werde Borhuns Farben nicht tragen. Ich bin kein Verräter.“ Thyon lächelte nachsichtig und erhob sich in einer geschmeidigen Bewegung vom Bett. Er trug nur eine Hose, sein Oberkörper war frei. Im Tageslicht wirkte er kaum weniger beeindruckend als im Fackellicht. Harte, drahtige Muskeln zeichneten sich unter der hellen, makellosen Haut ab, die langen Haare flossen wie flüssig gewordenes Silber über seine Schultern. Unwillkürlich erinnerte sich Vigar schaudernd daran, wie es sich angefühlt hatte, die Fingerspitzen darübergleiten zu lassen. Betreten sah er zur Seite.
Thyon trat an den Stuhl, auf dem die Kleidung lag, die ein Diener gebracht hatte. Dunkles Rot, die Farben Bohruns. Er hob das Hemd hoch.
Bohrun erlaubt niemanden, die Farben Aclodhs in seiner Feste zu tragen“, erklärte er schmunzelnd. „Wenn du mich nicht nackt, wie du jetzt bist, begleiten willst, wirst du diese Kleidung tragen müssen.“
Du wirst mich ohnehin dazu zwingen“, schoss Vigar zornig zurück. „Welche Wahl habe ich denn?“ Thyon nahm das Hemd mit und näherte sich dem jungen Custor. Seine linke Hand strich Vigar das Haar aus der Stirn. Dieser wich verärgert zurück.
Du hast die Wahl“, erklärte Thyon lächelnd. „Aber ich werde dich in Bohruns Farben gekleidet zu ihm bringen. Es ist nicht gut, den Herrscher zu provozieren.“
Vigar starrte ihn an. Am liebsten hätte er Thyon niedergeschlagen. Er konnte es tun, er wusste es. Der Nordmann beherrschte ihn, wenn er es wollte, aber es gab immer wieder Momente, wo er sich dessen Kontrolle entziehen konnte. So war es auch in der letzten Nacht gewesen.
Vigar wusste längst nicht mehr, was davon er gewollt, was Thyon sich genommen hatte. Lust hatte ihn alles vergessen lassen. Es war anders, besser, erfüllender, als alles, was Vigar je zuvor erlebt hatte. Er fühlte sich extrem zu dem Nordmann hingezogen und gleichzeitig von ihm abgestoßen.
Götter, diese verfluchte Droge. Er konnte sich selbst nicht mehr trauen.
Missmutig riss er Thyon das Hemd aus der Hand. Thyon hatte Recht: Er hatte eine Wahl. Er konnte entscheiden, ob er freiwillig tat, was der Akylongin von ihm wollte, oder ob dieser seinem Körper befahl, es zu tun.
Leise nagte Furcht in Vigar. Er war Bohrun noch nie begegnet, wusste nicht, wie er ihn einzuschätzen hatte. Thyon würde ihn vor den Herrscher des Nordwestens bringen. Vigar fürchtete dessen Fragen. Der Nordmann würde ihn dazu bringen, jede zu beantworten, da gab er sich keiner Illusion hin. Er würde zum Verräter werden.
Nicht durch Folter, nicht dadurch, dass man seinen Willen mit Schmerz brach. Nein, der Akylongin hatte ihn viel perfider korrumpiert und er fand sich nun in einem Netz gefangen, aus dem es keinen Ausweg mehr gab.


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