Sonntag, 16. Dezember 2012

Advent Advent






Kalendertürchen Nummer 16 öffnet sich heute in Karo Steins blogübergreifendem Kalender und dahinter begegnet ihr wieder alten Bekannten.
Viel Spaß mit dem nächsten Kapitel von Pink X-Mas.


Ich glaube es nicht.“ Missmutig schlug Mike mit der flachen Hand auf das Lenkrad. „Erst müssen wir umkehren, weil er seinen Schal vergessen hat. Und nun halten wir wegen eines Lippenstifts an der Autobahntankstelle.“ Er ließ seine Stirn stöhnend auf das Lenkrad sinken. „Womit habe ich das verdient?“
Neben ihm lachte Alec auf und legte tröstend die Hand auf den Rücken seines Freundes.
Ich darf dich dran erinnern, dass nicht ich es war, der dieses Mal Rickys Welpenblick erlegen ist.“ Er veränderte seine Stimme und machte Mike nach: „Alec, du musst einfach öfter mal „Nein“ sagen.“ Erneut veränderte er die Stimme und näselte: „Oh Mike, da müsst ihr unbedingt mitkommen. Ein schwuler Weihnachtsmarkt, das wird ganz toll. Das könnt ihr euch nicht entgehen lassen und außerdem ist mein Auto in der Werkstatt und ich möchte so gerne da hin und Geschenke einkaufen. Sonst stehe ich nachher noch mit leeren Händen da.“ Noch einmal ahmte Alec Mike nach: „Schon gut, wir fahren hin.“
Jaja.“ Mike brummte vor sich hin, hob den Kopf und maß Alec mit einem langen Blick. Er wurde nie müde, ihn anzusehen. So ein wundervoller Mann, den ihm das Schicksal zugespielt hatte. Es stimmte, meist war Alec derjenige mit dem weichen Herzen und viel zu gutmütig, aber wenn Rick sein theatralisches Seufzen auspackte und sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischte, dann wurde auch er weich. Was dieser raffinierte Hund genau wusste. Deswegen waren sie nun auf dem Weg nach Schwerin zu diesem Weihnachtsmarkt, obwohl er viel lieber den dritten Advent mit Alec geruhsam daheim verbracht hätte.
Es geht gar nicht, dass Rickys kostbare Lippen bei der Kälte spröde oder rissig werden, ist doch völlig klar“, fuhr Alec fort. „Warum allerdings Tom ihm bei der Auswahl zur Hand gehen muss, ist mir schleierhaft.“
Vermutlich kaufen sie in Wahrheit Kondome.“ Mikes Mundwinkel zuckte. Ja, das hielt er auch für wahrscheinlicher. Alec lachte auf, nickte und deutete aus dem Fenster. „Ah, da kommen sie auch schon zurück. Erfolgreich wie es scheint.“
Rick strahlte über das ganze Gesicht und winkte ihnen mit etwas zu, das in Cellophan eingewickelt war. Toms Gesicht, der hinter Rick durch die tauenden Schneereste stampfte und ungesehen die Augen verdrehte, ließ Alec erneut kichern.
Schaut mal, was die Tolles da hatten.“ Rick stieg ins Auto und präsentierte seine Beute: eine Schneekugel mit einem Weihnachtsmann, der nur eine Unterhose trug. „Ist das nicht total abgefahren? Die musste ich mitnehmen. So süß.“ Tom brummte missmutig und drückte Rick den Fettstift in die Hand, wegen dem sie angehalten hatten. Rick öffnete sofort die Packung und ihm gelang das Kunststück, sich gleichzeitig die Lippen einzuschmieren und zu reden: „Damit habe ich schon ein passendes Geschenk. Hoffentlich haben die auch so tolle Räuchermännchen auf dem Markt. Ihr wisst schon, wo der Rauch aus verschiedenen Öffnungen kommt. Und ...“ Rick zählte enthusiastisch auf, was er alles erwerben wollte.
Mike hörte nur mit halbem Ohr zu und unterdrückte mühsam seine nicht jugendfreien Gedanken. Er hoffte sehr, dass es dort keine Räuchermännchen gab, denen irgendetwas aus Öffnungen quoll. Mist, er hätte wirklich den Verstand siegen lassen sollen, der ganz klar behauptete, dass ein entspannter Nachmittag mit Rick auf einem schwulen Weihnachtsmarkt Schwachsinn war.
Aber Alec hatte Recht: Dieses Mal war er selbst schuld. Hauptsache, es gab leckeren Glühwein und gebrannte Mandeln. Ohne rosa Zuckerguss.
Er zuckte zurück, als direkt vor seinen Augen die unsägliche Schneekugel auftauchte und Rick ihn erwartungsvoll ansah. „Was hältst du davon? Das ist doch ein tolles Geschenk für Phily.“
Ganz nett“, kommentierte Mike und startete den Motor. „Vielleicht ein bisschen zu … rosa.“ Rick verzog schmollend den Mund. „Mensch Mike, du bist für einen schwulen Mann wirklich erstaunlich wenig schwul.“
Du bist ja mitunter auch schwul genug für Hundert andere“, seufzte Tom, zog Rick an sich und küsste ihn liebevoll. „Ich mag das. Aber der Bulle eben nicht.“
Mike brummte. „Liegt wohl daran, dass ich nur bi bin.“
Und ich mag ihn so“, ergänzte Alec lächelnd. So klischeeschwul wie Rick ist, ist vermutlich nur ein ganz geringer Prozentsatz aller lebenden Schwulen und er toppt sie alle, dachte Mike bei sich. Aber Rick war eben Rick. Er hatte durchaus auch seine liebenswerten Seiten. Wenn er die Klappe hielt.
Ach was.“ Dieser machte eine wegwerfende Bewegung. „Du hast den schnuckeligsten Mann an deiner Seite, den es außer meinem Tom geben kann. Du bist in ihn verliebt wie sonst was, rettest ihn aus den Händen irrer Psychopathen und würdest jeden anderen verknacken, der ihm etwas antun will. Du bist eindeutig schwul, da kannst du dich nicht mehr rausreden.“
Deswegen muss er aber trotzdem nicht auf solchen Kitsch stehen“, warf Alec zur Verteidigung ein. Rick schwieg, packte seine Schneekugel ein und starrte beleidigt aus dem Fenster. Alec zuckte die Achseln.
Der beruhigt sich auch wieder, wusste Mike. Bei Rick hielt so ein Zustand nie lange an. Und tatsächlich, als sie am Autobahnkreuz Richtung Schwerin abbogen, plapperte er schon wieder fröhlich und hörte auch nicht auf, bis sie in der Stadt endlich einen Parkplatz gefunden hatten.
Ab hier trennen sich unsere Wege.“ Mike setzte sein unnachgiebiges Parkplatzsündergesicht auf. „Was? Wieso denn?“ Rick zog die gezupften Augenbrauen hoch.
Wenn ihr heute nicht zu Fuß heimlaufen wollt, ist es wohl besser, Mike und ich ziehen alleine los“, meinte Alec schmunzelnd und winkte Tom und Rick zu, während er Mike mit sich zog. „Seid brav, wir sehen uns nachher wieder.“
Danke“, flüsterte Mike und gab ihm einen flüchtigen Kuss. „Ich wäre irgendwann schreiend Amok gelaufen, wenn ich zu jeder von seinen „Süß“, „Oh wie toll“, „entzückend“ Entdeckungen den Mund hätte halten müssen.“
Ich weiß.“ Alec nickte, er kannte ihn gut genug. Seine Finger fuhren durch die dunkelblonden Haare und er sah sich um.
Nervös?“ Mike drückte seine Hand fest. Noch immer war es für Alec schwer, sich in größeren Menschenmengen zu bewegen. Seufzend nickte dieser. „Wie immer. Wird bald besser. Spätestens, wenn ich zwei, drei Glühwein intus habe.“ Er lächelte Mike an. „Los komm, lass uns Hand in Hand ganz offen über einen Weihnachtsmarkt wandern. Darauf freue ich mich richtig.“
Der beginnt aber erst da, wo die Regenbogenflagge weht“, brummte Mike, warf alte Heterogewohnheiten über Bord und ergriff Alecs Hand. Völlig egal. Jeder konnte und durfte sehen, dass sie ein Paar waren. Warum auch nicht?
Morgen geht es hier weiter und ich wünsche euch ganz viel Spaß bei:
http://msashantin.blogspot.de

Kommentare:

  1. Hey, meine Lieblingsjungs von dir!
    Mike kommt ganz klar sein Beruf zu gute, dass er Rick relativ gelassen erträgt.
    Rick hat aber recht, für sein Alec macht Mike doch einfach alles.

    LG, Piccolo

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  2. Hach, Mike und Alec. :D Die habe ich ja auch vor kurzem ganz in mein Herz geschlossen. Ich mag Mikes brummige Art. :D

    Ich bin ja zu gespannt, was "Ricky" sich zu Weihnachten für Alec und Mike überlegt.

    LG Kris

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  3. *hach, seufz* ....sooo schön! Und humorig!
    Freu mich schon auf Nachschlag!

    LG,
    Carmen

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  4. Aw wie schön nochmal was von den beiden zu hören x3
    Echt super :D

    Rick ist einfach klasse :D

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