Mittwoch, 13. April 2016

Lesehappen aus Highspeed Love

Jeden Mittwoch bis zur Veröffentlichung am 13.05. wird es hier einen Teil von meinem neuen Roman "Highspeed Love", der bei Forever Ullstein erscheint zu lesen geben. Heute gibt es Teil 1 aus dem ersten Kapitel.
„Eine verbotene Liebe in einem knallharten Sport.“
Viel Spaß dabei.
Leseprobe:
>„Hm?“
Träge blinzelte Cole in das zu helle Licht. Vorwitzige Sonnenstrahlen, die sich seitlich an der Jalousie vorbeimogelten, kitzelten ihn in der Nase und er schloss geblendet die Lider. Wohlige Wärme umgab ihn wie eine zweite Decke, die Schwere des Schlafs wich nur zögerlich. Denken fiel schwer, wenn Träume noch lebendig waren. Was hatte ihn eigentlich noch mal geweckt?
Hinter ihm atmete jemand tief und gleichmäßig. Ein winzig schnarchender Laut zwischen Ein- und Ausatmen. Haut rieb an Haut, mit jenem besonderen, prickelnden Gefühl einer heißen vergangenen Nacht. Schlaftrunken hob Cole den Kopf und wandte sich um.
Zerwühlte braune Haare, der Mund mit den schmalen Lippen stand leicht offen, der Atem, der über seine Schulter strich, duftete nach Whiskey-Cola. Ein junges Gesicht, der Hauch von Bartstoppeln, die beim Küssen an Zunge und Lippen gekitzelt hatten.
Er erinnerte sich schmunzelnd: Jeremy, der Student. Eine wirklich heiße Nacht. In seinen Ohren hallte noch das wunderbare Stöhnen nach.
Irgendwo klopfte es heftig und eine tiefe Stimme rief dumpf seinen Namen. Richtig, das Klopfen hatte ihn geweckt. War das etwa Eddie? Was trieb den denn um …? Cole griff ungeschickt nach seinem Smartphone. Es lag auf dem Nachttisch, doch das Display blieb dunkel. Akku alle. Mal wieder.
Grummelnd richtete er sich auf, schob Jeremy, dessen leises Schnarchen unverändert blieb, seinen geringen Anteil an Bettdecke zu und erhob sich gähnend. Wo war seine Jogginghose? Ah, auf dem Stuhl unter den T-Shirts und Pullovern, die er in den Schrank hatte räumen wollen.
Weiterhin herzhaft gähnend schlurfte Cole aus dem Schlafzimmer. Ein klägliches Maunzen begrüßte ihn vom Fenster her. Oh weh, Miss Sunshine hatte er gestern Abend ganz vergessen. Sie war mit Sicherheit tödlich beleidigt, dass er sie nicht reingelassen hatte. Beim Sex stand er nicht auf Zuschauer. Vor allem nicht auf solche, die im falschen Moment schmusend mitmischen wollten.
„Cole?“ Noch einmal klopfte es an der Vordertür.
„Jaja, ich komme ja schon“, brummte er, stolperte über ein Paar Turnschuhe, die vermutlich Jeremy gehörten, und öffnete. Ein graues Etwas flitzte zwischen seinen Beinen hindurch. Ein sehr hungriges Etwas: Miss Sunshine.
„Guten Morgen, Cole. Sag bloß, du hast noch geschlafen?“ Eddie wirkte für Coles Geschmack viel zu wach und motiviert.
„Erwarte jetzt nur keine fröhliche Begrüßung von mir vor dem ersten Kaffee. Wie spät ist es überhaupt?“
Eddie hob reflexartig den Arm und schaute auf die teuer aussehende Armbanduhr. „Es ist nach 9 Uhr und ein Montag, falls du gerade nicht auf dem Laufenden sein solltest.“ Missbilligend runzelte er die hohe Stirn, die der modische Schnitt der gegelten braunen Haare nicht mal ansatzweise verbergen konnte, und kniff die hellgrünen Augen zusammen. Wie immer sah er wie frisch aus dem Katalog entwichen aus: Hemd, Krawatte und Sakko farblich sorgfältig abgestimmt auf die Hose und die noblen Lederschuhe. Er streckte sich und ließ gleich darauf seufzend die Schultern sinken. Selbst wenn er nicht auf den untersten Stufen von Coles Eingang stand, reichte er ihm normalerweise kaum zur Brust.
„Ach ja?“ Cole rieb sich müde über Augen und Stirn. Ihm war schon bewusst, dass die Woche begonnen hatte. Nur hatte sie das bisher ohne ihn. Er würde halt nachkommen.
„Komm rein, aber erwarte ja keine sinnvollen Äußerungen vor der zweiten Tasse Kaffee. Willst du schwarz oder mit Zucker? Milch habe ich keine da.“ Mist, Miss Sunshine würde das ebenfalls missfallen. Einkaufen stand also heute auf dem Programm.
„Schwarz wäre okay.“ Eddie folgte ihm in den Wohnbereich, der zu einer offenen Küche gehörte, und ließ sich auf einen der Stühle am Esstisch sinken. Emsig kramte er im Aktenkoffer, während Cole gähnend in seiner Küche die Kaffeemaschine anwarf. Verdammt, viel getrunken hatte er nicht, dennoch fiel es ihm schwer, wirklich wach zu werden.
Miss Sunshine maunzte ihn kläglich an und er schob ihr hastig den vollen Futternapf zu. Schmatzend nahm sie seine Entschuldigung an.
„Es geht um Pete“, rief ihm Eddie vom Wohnzimmer aus zu und legte einige Stapel aus Unterlagen vor sich zurecht.
„Wie geht es ihm? Warst du noch mal im Krankenhaus?“ Gluckernd tropfte wohlduftender Kaffee in Coles Tasse und der Geruch half ihm endlich, die Lider weiter zu öffnen. Was nicht so gut roch, war er selbst. Mann, er sollte dringend duschen. Duschen und dann einkaufen. Heute war kein Training und das war gut so.
„Bescheiden. Genau deswegen bin ich hier. Die Ärzte …“
„Moment. Wie spät war es noch mal?“ Coles Gehirn kaute an einer Information, die sich im Hinterkopf eingenistet und die er mit Priorität versehen hatte.
„Exakt 9:36 Uhr. Was ist eigentlich mit deinem Handy los? Ich habe heute schon mehrfach versucht, dich anzurufen.“ Eddie schenkte ihm einen Blick, der an Coles gering ausgeprägtes Schuldbewusstsein gerichtet war und folglich abprallte.
„Shit! Er kommt zu spät. Hier, nimm den Kaffee, ich muss Jeremy wecken.“ Rasch eilte Cole zurück ins Schlafzimmer und rüttelte an Jeremys Schulter. „Hey. Aufwachen, du hast Vorlesung um 11 Uhr.“
Unverständliches Genuschel war die Antwort.
„Jeremy, du hast mich gestern Abend extra gebeten, den Wecker auf 9 zu stellen. Aber mein Handyakku ist alle. Los, steh schon auf, du kommst zu spät.“ Heftiger rüttelte Cole an der Schulter und zog ihm schließlich die Bettdecke weg. Grummelnd öffnete Jeremy seine braunen Augen.
„Wie spät is’ denn?“
„Zu spät. Geh duschen, ich mach Kaffee und ein Brötchen.“ Cole gab Jeremy grinsend einen Klaps auf den wohlgeformten Hintern, mit dem er letzte Nacht äußerst innige Bekanntschaft gemacht hatte, und kehrte zu Eddie und seinem Kaffee zurück.
„Du hast einen Freund?“ Eddie nickte zur Schlafzimmertür, hinter der nun herzhaftes Gähnen und gemurmelte Flüche zu vernehmen waren.
„Nur ein Fick“, schwächte Cole ab, mochte den Geschmack des Wortes allerdings selbst nicht und ergänzte: „Wir haben ab und an Sex. Ist eher eine Zweckgemeinschaft.“ Eine gut funktionierende.
Eddies typisches Stirnrunzeln übersah er geflissentlich. Es war ihm egal, was der von seinem Privatleben hielt. Denn genau das war es: Privat und sein Leben. Und wenn er bisher nicht über Mister Right gestolpert war, den Druck dennoch abbauen wollte, dann war das eben so. Jeremy war okay. <

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Freue mich über jede Rückmeldung!

Hier waren bisher:

Follower

Archiv